Archiv des Autors: Christian Rödding

Mitgliederversammlung 14.04.2016

Am 14.04 fand unsere Mitgliederversammlung in Vorbereitung auf die Hochschulwahlen statt – es stand sowohl das Ausfüllen der (zahlreichen!) Wahlunterlagen auf dem Programm als auch der letzte Feinschliff unseres diesjährigen Wahlprogramms. Danke an alle Beteiligten für die lebhaften und kontroversen Diskussionen!

 

MV3 MV4

Veröffentlicht unter Allgemein | 1.881 Kommentare

Kein Abriss des Denkmals am Steintorcampus

Die Liberale Hochschulgruppe kritisiert den Vorstoß des SDS, das Denkmal für die im deutsch-französischen Krieg 1870/71 gefallen Kommilitonen am Steintorcampus abzureißen, um „Nationalismus“ vorzubeugen. Nach Ansicht der Liberalen Hochschulgruppe beweist der SDS damit erneut den ihm eigenen Beißreflex gegen alles, was ihm zu „deutsch“ aussieht.

Angeblich soll das Denkmal kriegsverherrlichend sein. Angesichts der ganz offensichtlich trauernden Figur kann diese Auslegung nur mit der blühenden Fantasie des SDS erklärt werden, ebenso wie die völlig verfehlte Behauptung, damit werde zu weiteren Kriegen aufgerufen. Derartige Interpretationen lassen sich freilich leicht vom behüteten Schreibtisch aus treffen, wenn man selbst – dankenswerterweise – in einer Zeit lebt, die zumindest für uns seit Jahrzehnten frei von bewaffneten Konflikten ist.

Ganz offensichtlich war die Wirklichkeit vor 150 Jahren eine andere. Kriege waren bedauerlicherweise ein probates Mittel, um seine Interessen durchzusetzen, sie wurden auf dem Rücken derer ausgetragen, die sich nicht dagegen wehren konnten. Es war damals praktisch nicht möglich, sich alleine gegen diese Kriege zu stellen. Auch die Hallenser Kommilitonen mussten daher ins Feld ziehen – dass ihnen nun gedacht wird, ist dabei im Kontext der damaligen Epoche eine Selbstverständlichkeit. Hinzu kommt, dass das Denkmal auch ein Zeugnis der Zeitgeschichte ist: Damals lebte man in einer Epoche, die wie selbstverständlich kriegerische Auseinandersetzungen mit den Nachbarländern gesucht hat; heute ist dies glücklicherweise anders. Wer sich nun dafür einsetzt, das Denkmal zu entfernen, der verleugnet ein Kapitel der Zeitgeschichte, welches auch zu Deutschland gehört – ob wir wollen oder nicht. Geschichtsrevisionismus betreibt damit eher der SDS: Wer die Spuren damaliger Kriege und die daran gemahnenden Zeugnisse vernichten will, belügt sich letztendlich selbst.

Die Liberale Hochschulgruppe spricht sich aus diesen Gründen entschieden dagegen aus, das Denkmal abzureißen. Als Zeugnis der Zeitgeschichte ist es vielmehr zu erhalten.

Eher amüsant ist übrigens der wörtliche Aufruf „Germania stürzen“. Zwar handelt es sich bei der Statue keineswegs um Germania, aber derartige Fakten interessieren den SDS natürlich nicht. Immerhin klingt es besser, gegen etwas „Germanisches“ gewaltsam vorzugehen…

 

Veröffentlicht unter Allgemein | 2.861 Kommentare

LHG gegen Quote im StuRa

Offenbar scheint es an unserer Universität doch nicht so schlecht zuzugehen, wie es einige Hochschulgruppen behaupten, wenn – so suggerieren es zumindest die Tagungslisten des StuRas – eines der größten Probleme die Reihenfolge der Redebeträge dieses Gremiums ist. Aber einmal angenommen, dem wäre so:

Wer der Auffassung ist, eine quotierte Rednerliste würde in irgendeiner Form für Gleichberechtigung sorgen, der sollte sich selbst fragen, inwieweit dadurch etwa mehr Dozentinnen eingestellt werden oder weniger diskriminierende oder sexistische Handlungen an unserer Universität an den Tag gelegt werden

Wer meint, damit „männlich-dominantes Redeverhalten“ unterbinden zu können, der sollte sich fragen, ob er es nicht selbst ist, der Sexismus in Form überholter Rollenklischees verbreitet: Er unterstellt, jeder Mann sei aggressiv und undiplomatisch, während jede Frau verschüchtert und nicht in der Lage sei, ihre Argumente durchsetzungsstark an den Mann oder die Frau zu bringen. Es ist schwer einzusehen, dass gerade Leute, die an derartig altbackenen Auffassungen festhalten, in der Lage sein sollen, für Geschlechtergerechtigkeit zu sorgen.

Viel schlimmer wiegt allerdings, dass damit der eigentliche Sinn jeder Debatte von den Befürwortern einer quotierten Redeliste offenbar nicht verstanden wurde. Denn idealerweise sollte auf einen im StuRa aufgekommenen Wortbeitrag eine Reaktion folgen, die zum angesprochenen Thema passt – unabhängig davon, wer diese Reaktion vorbringt. Wenn jemand sich nun hierzu äußern möchte, aber dies nicht kann, weil er oder sie das falsche Geschlecht hat, kann keine flüssige Diskussion entstehen, wenn sich leider niemand findet, der sich vom richtigen Geschlecht zur Frage äußern möchte. Keine Debatte kann stringent oder gar verständlich sein, wenn Leute in der Rednerliste nach vorne oder hinten geschoben werden, um eine Quote zu erfüllen, anstatt in der Reihenfolge sinnvolle Beiträge liefern zu können. Offenbar war das oberste Ziel der Befürworter einer quotierten Rednerliste: Es ist völlig egal, ob eine Debatte zustande kommt – Hauptsache, diese Debatte diskriminiert niemanden

Daher lehnt die Liberale Hochschulgruppe die quotierte Rednerliste ab und schließt sich dahingehend dem RCDS an. Der StuRa möge sich bitte wieder mit sinnvollen und vor allem inhaltlichen Themen beschäftigen, anstatt über völlig absurde formale Regelungen innerhalb des Gremiums zu fantasieren, die keiner Debatte und keinem Bemühen nach Gleichberechtiung helfen können.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , | 2.192 Kommentare

Der Fall Patzelt: Für vielfältige Lehre, gegen Ausgrenzung durch Ideologie

Wenig überrascht stellen wir fest, dass die Juso-Hochschulgruppe – unterstützt vom SDS – sich dafür ausspricht, die Schriften von Prof. Patzelt nicht mehr an unserer Universität zu behandeln, weil der Professor den Jusos nicht passt. Dies ist eine bemerkenswerte Auffassung davon, was vielfältige und unabhängige Lehre ausmachen soll.

Natürlich werden seitens der Jusos auch Argumente für diesen Vorstoß angeführt. So hat Prof. Patzelt eine Rede auf dem Deutschen Burschentag gehalten – für eine Jugendorganisation, in deren Augen jede Studentenverbindung und jede Burschenschaft rechtsextrem und rückständig ist und unverzüglich vom Studium ausgeschlossen gehört (keine Universität für „Burschis“ und „Chauvis“) ist das natürlich unverzeihlich. Da war es dann auch nicht mehr notwendig, sich den Inhalt besagter Rede einmal anzuschauen, ansonsten hätten sie die „stramm rechten“ Zitate wie „Was den Deutschen an Unrecht geschah, ist Folge des Unrechts, das die Nationalsozialisten zuerst taten.“ oder auch „Das dreifache ‚Nie wieder’ zu Diktatur, Angriffskrieg und Völkermord muss also ein Anker deutscher Kultur bleiben.“ wohl selbst gefunden. Dass Prof. Patzelt sich auch in anderen Reden gegen Extremismus ausspricht (etwa zur Bücherverbrennung während der nationalsozialistischen Diktatur) und diesen als gefährlich bezeichnet, wird von den Jusos selbstverständlich ebenfalls ignoriert. Denn er hat sich weiterer Verbrechen schuldig gemacht: Er hat es gewagt, eine Untersuchung zu PEGIDA zu veröffentlichen, und nicht nur das: Er hat auch noch hineingeschrieben, dass es sich bei den Demonstranten nicht bei allen um Rechtsradikale handelt. Für die Jusos reicht dies aus, um ihm Propaganda für PEGIDA und rassistisches Gedankengut vorzuwerfen – genauer belegt wird dieser schwere Vorwurf natürlich nicht. Eine Diskussion mit Prof. Patzelt, die dieser mehrfach vorgeschlagen hatte, wird seitens der Jusos ebenfalls abgelehnt: Dadurch gebe man dem Professor nur eine Bühne, um seine „Propaganda“ weiter zu verbreiten und überhaupt sei jede Replik von Prof. Patzelt nichts weiter als eine Verspottung der StudentInnen. So kann man sich natürlich bequem jeder Verteidigung der eigenen Ansichten entziehen.

Nun kann man natürlich mit fundierten Argumenten Patzelts Standpunkte samt und sonders ablehnen. Man kann seine Studien über PEGIDA ebenso verurteilen wie seine Interviews mit RT Deutschland. Aber was für eine verdrehte Auffassung von pluralistischer Lehre muss man haben, um deswegen jede wissenschaftliche Arbeit des Professors aus der universitären Lehre entfernen zu wollen? Wie beeinflussen denn die Äußerungen, die Prof. Patzelt jetzt getätigt hat, die Arbeiten, die bereits seit Jahren existieren? Erhalten sie plötzlich nationalsozialistischen Inhalt? Das Textbeispiel der Juso HSG zu Patzelts Repräsentationsverständnis lässt vielmehr bei den jungen Sozialisten tief blicken. Wer es für Vulgärpluralismus hält, dass Repräsentanten auch unterhalb der Wahlperiode responsiv auf die Interessen in der Bevölkerung eingehen, zeigt ein stark verzerrtes Selbst- und Weltbild oder versteht das Prinzip der Repräsentation im Ganzen nicht. Die Liberale Hochschulgruppe sieht hier dringenden Bedarf an Nachhilfe (unsere Empfehlung: Patzelts Habilitationsschrift Abgeordnete und Repräsentation. Amtsverständnis und Wahlkreisarbeit)

Ist es nicht vielmehr so, dass die Jusos in letzter Konsequenz nur den ProfessorInnen die Gnade der Anerkennung zu gewähren gedenken, die mehr oder weniger den gleichen Standpunkt mit ihnen teilen? Das mag für die Jusos den Ansprüchen des „kritischen Denkens“ genügen, die Liberale Hochschulgruppe sieht darin jedoch eine unvertretbare Einschränkung der Wissenschaftsfreiheit und der Lehre. Nichts von dem, was die Jusos Prof. Patzelt vorwerfen, steht im Zusammenhang mit seiner Lehre. Hier wird lediglich ein Professor, dessen Auffassung der Juso-Hochschulgruppe nicht passen, unter dem Mantel fadenscheiniger Begründungen diffamiert. Noch dazu nehmen sich die Jusos das Recht heraus, Professoren, die nicht ihre Linie vertreten, aus der Lehre entfernen zu wollen. Dabei gehört es gerade zum Studium dazu, sich auch mit Auffassungen auseinanderzusetzen, die der eigenen vollkommen widersprechen. Die meisten StudentInnen sind dazu in der Lage, die Juso-Hochschulgruppe lernt das bestimmt auch noch.

Die Liberale Hochschulgruppe spricht sich daher eindeutig dafür aus, dass auch weiterhin die Schriften von Prof. Patzelt gelehrt werden dürfen. Darüber, was wissenschaftlich gehaltvoll ist, sollten diejenigen entscheiden, die bereits bewiesen haben, dass sie sich in der wissenschaftlichen Welt auskennen. Wer es später zum Professor bringt und immernoch der Meinung ist, Patzelt sei Teufelszeug, darf ihn gerne aus seinem persönlichen Lehrplan streichen. Alles andere ist eine erhebliche Einschränkung der Wissenschaftsfreiheit die ganz offensichtlich nur ideologisch begründet wird, getreu dem Motto: Was mir nicht passt, gehört verboten.

PS: Wo bleibt der Aufschrei, dass Politikstudenten jährlich Carl Schmitt und dessen Anhänger lesen müssen, obwohl dieser ja nicht zu Unrecht als Kronjurist des dritten Reiches bezeichnet wird?

Veröffentlicht unter Allgemein | 2.138 Kommentare